OBERNHOF. (4. November 2015) Mit einem Festgottesdienst, vielen Glückwünschen, Leckerem für den Magen und mittelalterlicher Musik hat die evangelische Kirchengemeinde Obernhof an den Bau ihrer Kirche vor 300 Jahren erinnert.
Ihren großen Respekt zollte Gemeindepfarrerin Antje Dorn den Obernhofern, die 1712 enorme finanzielle Mittel aufbrachten und selbst kräftig mit Hand anlegten, um ihre Kirche innerhalb von drei Jahren zu errichten, und dies in einer Zeit, als es den Menschen noch bedeutend schlechter ging als heute und der Arbeitsalltag wesentlich anstrengender war. „Für mich ist das auch ein Zeichen dafür, dass die Kirche nicht nur in der Mitte des Ortes steht, sondern auch mitten im Leben der Gemeinde mit ihren Bürgerinnen, Bürgern und Vereinen.“ Nicht zuletzt der Feuerwehr dankte sie für ihren Einsatz, um manches Hochwasser vom Bauwerk abzuwehren.
Noch einmal fast 200 Jahre vor den Bau der Kirche zurück ging der Propst für Süd-Nassau, Oliver Albrecht, in seiner Festpredigt. Er hob die Bedeutung der Reformation für die Menschen hervor, machte deutlich, wie wichtig die damals eingeleitete Bildung, Freiheit, Eigenverantwortlichkeit und ein eigenes Nachdenken auch heute in einer von Medien überfluteten Welt sind. Zu Zeiten der Reformation hätten sich Menschen ängstlich gefragt, wie sie einen „gnädigen Gott“ bekommen. Die Ängste hätten sich verändert, nach wie vor gelte es aber, sich von ihnen nicht fesseln zu lassen, weil ein gnädiger Gott ihr Leben begleitet.
Musikalisch festlich umrahmt wurde die 300-Jahr-Feier in der Kirche vom Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde Nassau, den evangelischen Kirchenchören Obernhof und Dausenau sowie Svetlana Richert an der Orgel. Viele Gäste konnte die Gemeindepfarrerin beim anschließenden Mittagessen und Kaffeetrinken im Hotel „Am Goetheberg“ willkommen heißen, wo sie Monique Thesing-Podewils dankte, die ihre Räume dafür zur Verfügung gestellt hatte.
Im Namen des Dekanats Nassau gratulierte Präses Karl-Werner Köpper zum Jubiläum und erinnerte an die ökumenische Verbundenheit zu Füßen des Klosters Arnstein. Landrat Frank Puchtler nannte die Kirche in ihrer Funktion im ländlichen Raum als ein wichtiges Bindeglied; und wie es um den Gemeinsinn in Obernhof bestellt sei, beweise die erfolgreiche Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“.
Gute Wünsche und lobende Worte für das Miteinander der evangelischen und katholischen Christen sowie das lebendige Dorfleben kamen auch von Bürgermeister Udo Rau, Ortsbürgermeister Karl-Friedrich Merz, dem ehemaligen Gemeindepfarrer Ullrich Biedert sowie dem Vorsitzenden der benachbarten Kirchengemeinde Kördorf, Dieter Brosch.
Mit einem abwechslungsreichen und laut beklatschten Konzert der Gruppe Saitenspinner endete der Festtag am Nachmittag in der Jubiläumskirche an der Lahn. Bernd-Christoph Matern
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Mittelalterliche Atmosphäre verströmte die Gruppe Saitenspinner unter anderem während ihres Konzertes in der 300 Jahre alten evangelischen Kirche von Obernhof. Foto: Matern
