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RHEIN-LAHN. (5. November 2015) Auf ganz unterschiedliche Art und Weise wurde am vergangenen Wochenende in den drei evangelischen Rhein-Lahn-Dekanaten Diez, Nassau und St. Goarshausen das Reformationsfest gefeiert. So gab es etwa in Bad Ems ein Spektakel aus Luthers Zeiten zu erleben, in Diez gab es von Kindern gemalte Bilder zur Bibel zu bestaunen und in Nastätten berichtete ein katholischer Theologe, wie bewegend es für ihn ist, ausgerechnet am Reformationsfest von einer evangelischen Kanzel predigen zu dürfen.
Wie Luther zu seiner Frau Käthe kam, zeigten in historischen Kostümen gewandete Darsteller in der evangelischen Martinskirche Bad Ems. Das Spektakel des Dekanats Nassau, an dem Bläser aus dem ganzen Dekanat und Pfarrerin Jasmin Schönemann mit einer Predigt zur Freiheit mitwirkten, lockte mehr Besucher an als das große Gotteshaus Sitzplätze bot. Pfarrerin Renate Weigel hatte die Flucht von zwölf Nonnen aus dem Frauenkloster Nimbschen in Reim gebracht und Szene gesetzt.
Diese Jungfrauen galt es nun, unter die Haube zu bringen; darunter auch Katharina von Bora. Die ruhte nicht eher, bis Luther höchstpersönlich – dargestellt von Dekan Martin Ufer – sie zur Frau nahm. „Das Evangelium macht fröhliche Leut! Beherzigt das, esst und trinkt mit uns und küsst herzlich heute Abend euer Weib!“, endete das Spiel. Der Aufforderung wurde bei Lutherbier, Speisen und den Klängen von Barde Bertold Lied an diesem Abend gern gefolgt. Schon in der Kirche hatten unter Leitung von Dekanatskantor Ingo Thrun Bläserinnen und Bläser aus dem ganzen Dekanat die Feier mitgestaltet.
Auf großes Interesse stieß in der evangelischen Kirche St. Salvator der Reformationsgottesdienst des evangelischen Dekanats St. Goarshausen. Mit Klaus Hamburger bestieg ein waschechter Katholik
die evangelische Kanzel. „Das berührt mich zutiefst, von ihnen eingeladen worden zu sein und hier heute zu ihnen sprechen zu dürfen“, begann Hamburger mit einem Dank an die Gemeindepfarrer Kristian Körver und Anne-Bärbel Ruf-Körver seine Gedanken. So prägend die Jugend im bayrischen Regensburg („ich hab damals gar nicht begriffen, dass es noch andere Konfessionen geben könnte“), so religiös öffnend gestaltete sich der Lebensweg des Diplomtheologen, der heute als Gefängnis- und Klinikseelsorger in Koblenz arbeitet. Denn mehr als 30 Jahre verbrachte er als Bruder Wolfgang an verantwortlicher Stelle in der Kommunität Taizé, einer interkonfessionellen Gemeinschaft im Elsass.
Drei Impulse, die er den Besuchern in Nastätten unter anderem durch seine biografischen Schilderungen und die damit verbundenen Gedanken und Gefühle mitgab: Gruppenzwänge sollten hinterfragt werden, Anderem offen begegnet werden. Hamburger: „Es gibt Menschen, die sich anders verstehen, aber warum braucht es einer Komplizenschaft, um sich zu profilieren?“ Zum Anderen empfinde er die vielen Flüchtlinge derzeit fast mit einem Gefühl der Befreiung, profitiere das Land doch wirtschaftlich von ihnen, wenn es entsprechend investiere. Schließlich müsse ein Christ in der Nachfolge Jesu immer unterwegs bleiben; er fühle sich „in der Bahn-Card 100 zuhause“. Musikalisch gestaltete die Dekanatskantorei unter Leitung von Markus Ziegler den Gottesdienst mit.
In Diez waren es die Malereien kreativer Kinder, die bei der Church-Night der evangelischen Jakobus- und der Stiftskirchenkirchengemeinde unter dem Motto „Bild und Bibel“ zunächst im Mittelpunkt standen. In den evangelischen Kindertagesstätten waren in den Wochen zuvor Geschichten aus der Bibel in bunten Bildern gemalt worden. Zum Reformationsfest wurden drei Gemälde besonders prämiert: „David und Goliath“, die Arche Noah und die künstlerische Umsetzung vom Gleichnis des verlorenen Schafs.
Pfarrer David Schnell von der Stadtkirchenarbeit am Museumsufer in Frankfurt machte den erwachsenen Zuhörern klar, welche Rolle das Bild für Martin Luther spielte, um einer breiten analphabetischen Bevölkerung auch die biblische Botschaft näher bringen zu können. Schnell verwies dabei auf Lucas Cranach und seinen gleichnamigen Sohn, die etwa die Kindersegnung aufgriffen. Der kreative und informative Abend fand mit einer besinnlichen Taizé-Andacht, zu der Dekanatskantor Martin Samrock die Orgel spielte, einen sehr meditativen Abschluss. Bernd-Christoph Matern
