Ökumene im Nassauer Land stimmt aufs Jahr 2016 ein

thumb_1anje16-ubletzerimg_7026KLOSTER ARNSTEIN. (25. Januar 2016) Er hat eine lange Tradition: Der Neujahrsempfang im Kloster Arnstein, mit dem die Ökumene im Nassauer Land das Neue Jahr unter Gottes Segen stellt, um anschließend noch gemeinsam beim Essen zusammenzusitzen und nach vorn zu schauen. So war das auch in diesem Jahr, wenngleich diesmal die Andacht nicht in der Klosterkirche stattfinden konnte.

 

Noch brodelt sie im Pilgersaal unbeachtet vor sich hin, die leckere Suppe, die diesem Neujahrsempfang seine kulinarische Würze geben wird. Immerhin: Gerade schauen die beiden „Cheforganisatoren“ von der katholischen Pfarrgemeinde St. Martin Bad Ems/Nassau noch einmal nach dem Rechten, bevor es gemeinsam zur Andacht in die nahegelegene Hauskapelle geht. „Der ökumenische Neujahrsempfang im Kloster Arnstein wird im jährlichen Wechsel ausgerichtet – zwischen den evangelischen und katholischen Gemeinden natürlich, aber auch zwischen den verschiedenen Kirchorten des Nassauer Landes“, erklären Marlies Engels, die Vorsitzende des Ortsausschusses Nassau, und Wolfgang Riehl, der Mitglied im Pfarrgemeinderat ist.

Eine unter katholischer Federführung stehende Traditionsveranstaltung ist der Empfang in diesem Jahr also. Mit reger evangelischer Beteiligung: Die Andacht in der Hauskapelle teilen sich Peter Harr, Arnsteiner Pater und priesterlicher Mitarbeiter des Bistums Limburg, und Stefan Fischbach, seit thumb_1anje16-ubletzerimg_7017vergangenem September Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Nassau. Während Pater Harr den liturgischen Teil übernimmt, in dem er die Gelegenheit ergreift, vor Egoismus und Selbstsucht zu warnen, hält Pfarrer Fischbach die sehr lebendige Predigt. Deren Ausgangspunkt: ein Gleichnis aus dem ersten Buch Mose, in dem Jakob am Ufer des Flusses Jabbok mit einem Engel kämpft und den Namen Israel, „Gottesstreiter“, erhält, da er mit Gott und den Menschen gerungen und gesiegt hat. „Wenn wir in einer Krise stecken, scheint Gott fern zu sein“, schlägt Pfarrer Fischbach den Bogen zur Lebensrealität der Menschen. „Dann gerät das Ringen mit der Krise zugleich zu einem Ringen mit Gott. Aber am Ende der Geschichte steht dennoch ein Gewinn.“

Selbst in aussichtslos erscheinenden Situationen komme es darauf an, nicht aufzugeben, betont der Geistliche und teilt zur Veranschaulichung, ziemlich ungewöhnlich für eine kirchliche Andacht, eine Karikatur aus. Auf dieser drückt ein Frosch, der tief im Schnabel eines Storches steckt, dem auf den ersten Blick haushoch überlegenen Gegner entschlossen die Kehle zu. „Dass man nicht sagen kann, welcher von den beiden gewinnen wird, ist gerade das Gute an diesem Bild“, findet Fischbach und folgert: „Was immer uns im neuen Jahr an Herausforderungen und Rückschlägen begegnet: Lassen wir uns nicht entmutigen, sondern stellen wir uns dem Problem, bis es uns möglich ist, einen Segen daraus zu ziehen.“ Nachdenklich und zuversichtlich zugleich geht die Andacht, die Ute Feuerstake und Martina Voelz-Schönfeld mit ihren Fürbitten und Monika Klingelhöfer mit ihrem Orgelspiel bereichert haben, also zu Ende, und der Pilgersaal füllt sich.

thumb_1anje16-ubletzerimg_7077Dort genießen die Neujahrsempfangsgäste nicht nur die eingangs erwähnte schmackhafte Suppe, nachdem sie auf Anregung von Pastoralreferent Michael Staude ein Tischgebet gesungen haben. Vor allen Dingen tauschen sie sich jetzt lebhaft über Gott und die Welt aus. Logisch, dass die anstehende Restaurierung der Klosterkirche dabei ganz oben auf der Themenliste steht. Die ist schließlich auch der Grund dafür, dass die Andacht anders als in all den Jahren zuvor in der kleinen Hauskapelle stattgefunden hat. „Im Chorraum sowie im Mittel- und Seitenschiff stehen zurzeit Gerüste“, erklärt Monika Dahlmanns-Vogel, die im Verwaltungsrat der Pfarrgemeinde federführend für die Restaurierung der Arnsteiner Klosterkirche zuständig ist.

Bis zur Restaurierung selbst, so Monika Dahlmanns-Vogel, sei es zwar noch eine Weile hin: „Sie wird frühestens 2018 beginnen.“ Um zu wissen, was alles zu tun ist, gilt es erst einmal, die umfangreichen Voruntersuchungen abzuschließen. So sollen die momentan laufenden Voruntersuchungen die Grundlage für die Erarbeitung eines möglichst originalgetreuen Farbkonzeptes liefern. „Keine einfache Sache, da sich in der Kirche Farbgebungen aus Barock und Gotik mischen und in den 1980er-Jahren wenig authentisch restauriert wurde“, betont Dahlmanns-Vogel. Ein weiteres Problem: Bei besagten Voruntersuchungen, die bereits 2013 gestartet sind, kam ein romanischer Fußboden aus der Entstehungszeit der Kirche zum Vorschein. „Er ist historisch äußerst wertvoll und in seiner Art einmalig, aber leider nicht so zu restaurieren, dass man auf ihm laufen kann“, bedauert Dahlmanns-Vogel. Und um nur zwei von etlichen weiteren Problemen zu nennen: Das Dachgestühl der Kirche ist mit Holzwürmern befallen und zum Teil gebrochen, und die Konsolen der Säulen sind so marode, dass es zu entscheiden gilt: aufwendig restaurieren oder erneuern? „Wir müssen immer wieder neue Spezialisten hinzuziehen, weil immer wieder neue Schwierigkeiten auftauchen“, fasst Dahlmanns-Vogel die aktuelle Lage zusammen. Womit bewiesen wäre: Auch in punkto Kirchenrenovierung wird es im neuen Jahr und darüber hinaus nicht an Herausforderungen mangeln. Text und Fotos: Ulrike Bletzer

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