Propst: Pfarrstellen auf dem Land erhalten

thumb_1propstrinkDIEZ/RHEIN-LAHN. „Wir können im ländlichen Raum nicht auf ein dichtes Netz von Pfarrstellen verzichten“, erklärte der Propst für Südnassau, Dr. Sigurd Rink, als er jetzt vor der Synode des evangelischen Dekanates Diez in Oberneisen referierte. „60 Jahre EKHN – Perspektive 2025“ war Rinks Vortrag überschrieben, in dem er die vom Bevölkerungsrückgang geprägten Zukunftsaussichten der Landeskirche in den Mittelpunkt stellte.

Die ernüchternden Geburtenzahlen ließen einen Mitgliederschwund von etwa einem Prozent pro Jahr und damit auch entsprechend weniger Steuereinnahmen erwarten. Die Veränderung der Alterspyramide verschärfe die Situation zusätzlich. Vor diesem Hintergrund entwerfe die Landeskirche ein Perspektivpapier 2025, in dem Aufgaben und Auftrag der Kirche beschrieben werden. Darin werde auch vorgeschlagen, dass es keinen Rückzug aus der Fläche geben solle. „Wir wollen auch weiterhin in den Landkreisen, Dekanaten und Gemeinden präsent bleiben“, so das Mitglied des Leitenden Geistlichen Amtes der Landeskirche.

thumb_1propstpublikumWelcher Weg genau dafür beschritten wird, sei noch nicht geklärt, aber fest stehe, dass man bei den Überlegungen die unterschiedlichen Bedingungen im ländlichen und städtischen Bereich berücksichtigen müsse. „Der Pfarrdienst im ländlichen Raum sollte höchstens analog zum Bevölkerungsrückgang reduziert werden.“ Anders sehe das in Ballungsräumen aus, wo stärkere Einsparungen von Pfarrstellen angedacht seien, wenngleich die Argumente nachvollziehbar seien, gerade dort bedürfe es besonderer Anstrengungen, den Pfarrdienst zu erhalten. Aber dort müsse auch verstärkt über die Unterhaltung von Bauten nachgedacht werden, die in den 50er und 60er Jahren errichtet wurden. „Von 1950 bis 1970 wurden so viele Kirchen und Gemeindehäuser gebaut wie in den 500 Jahren zuvor nicht.“

Paradox sei, dass bereits jetzt eine Unterversorgung mit Pfarrern nach dem Jahr 2015 absehbar sei. Der Pfarrerschwemme aus den 80er Jahren folge dann nämlich eine Rentnerschwemme von Pfarrern. „Zurzeit sind wir sehr gut aufgestellt, es gibt kaum Vakanzen, aber in zehn Jahren wird sich das dramatisch verändern.“

Mit Spannung blicke er auch auf die Diskussion des neuen Zuweisungsgesetzes, mit dem sich die Landessynode im Herbst beschäftigt. „Es gibt noch kein klares Bild, wer gewinnt und verliert.“ Dabei werde die Spardiskussion in der EKHN im Vergleich zu anderen Landeskirchen noch innerhalb eines soliden Umfelds geführt, wenn man bedenke, dass in Ostdeutschland ein Pfarrer für etwa 20 Gemeinden zuständig sei. „Jeder sollte in den Kirchengemeinden und Synoden dafür Sorge tragen, dass es auch ein sicheres finanzielles Fundament gibt, nicht nur in Glaubensfragen, da ist das Fundament längst gelegt.“ Richtungsweisend und Mut machend könne dabei ein Wort des Apostels Paulus sein: Gott habe den Menschen keinen Geist der Furcht sondern der Kraft, Liebe und Besonnenheit gegeben. (bcm)

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