Qualit?t in Kinderg?rten: Gutes suchen und weiterentwickeln

thumb_1qe-ekhn20012010RHEIN-LAHN/FRANKFURT. (28. Januar 2010) Professionelle Qualität muss überprüft und ständig weiterentwickelt werden. Das gilt auch für die Dienstleistungen der rund 600 Kindertagesstätten und die 14 kirchlichen Verwaltungen in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Zur Unterstützung auf diesem Weg dient das im Jahr 2004 eingeführte Qualitätsentwicklungssystem der EKHN. „Im Zentrum des kirchlichen Verfahrens steht die Selbstbewertung und nicht die Überprüfung von außen“ sagte Monika Griep, Referentin für Qualitätsentwicklung in der Kirchenverwaltung, als in Frankfurt jetzt erste Ergebnisse auf Ebene der Landeskirche vorgestellt wurden. Auch Einrichtungen aus den drei Rhein-Lahn-Dekanaten waren vertreten.

Die Suche vom Guten zum Besseren sei nur kooperativ mit den Menschen zu entwickeln und nicht durch festgelegte Normen und Standards, sagte Griep.Auf Einladung der Kirchenverwaltung und des Zentrums Bildung waren rund 300 Vertreterinnen und Vertreter aus den beteiligten Einrichtungen der EKHN ins Dominikanerkloster gekommen. Ihnen wurden bei der zentralen Veranstaltung Qualitätsfacetten aus der praktischen Arbeit präsentiert und die Qualitätshandbücher überreicht.

Kirchenpräsident Dr. Volker Jung, der die Eröffnungsansprache hielt, nutzte die Gelegenheit, sich an den Informationsständen der Einrichtungen zu informieren und bei den Prozessbeteiligten für ihr Engagement zu bedanken. Grußworte sprachen Staatsminister Jürgen Banzer vom Hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit und Xenia Roth, Fachreferentin für Kindertagesbetreuung beim Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur des Landes Reheinland-Pfalz. Aus dem Diakonischen Werk Kurhessen-Waldeck sprach Waltraud Kirchmeier, Geschäftsführerin des Verbandes Evangelischer Kindertagesstätten. Die Andacht hielt die Pröpstin von Rhein-Main, Gabriele Scherle. „Kirchliches Leben in all seinen Facetten ist der Versuch, Gottes Qualitäten zu entdecken“, sagte Gabriele Scherle in ihrer Andacht. „Wir entwickeln sie nicht, können ihnen aber Raum in unserem Gemeinwesen schaffen. Damit alles gut wird, auch wenn nicht alles gelingt.“

Auch der Kirchenpräsident der EKHN betonte, „wir können uns nur bemühen um das Beste“ und danach suchen, die Arbeit so gut wie möglich zu machen. „Wir sind als Menschen nicht perfekt und sollen es auch gar nicht sein.“ „Qualitätsentwicklung darf kein Selbstzweck sein, sie ist um der Menschen willen da“, sagte Volker Jung. Qualität in unseren Einrichtungen bedeute, „die Aufgaben in gegenseitiger Achtung zu erfüllen, wertorientiert und wertschätzend.“ In seiner Eröffnung würdigte er das Engagement der beteiligten Kindertagesstätten und Regionalverwaltungen, die auch schon vor der Einführung von Qualitätsentwicklung (QE) gute Arbeit leisteten. Mit dem QE-Instrumentarium würde die Qualität allerdings systematischer und strukturierter in den Blick genommen und kontinuierlich weiterentwickelt.

Bei der Größe der Aufgaben dürfe nicht übersehen werden, dass viele kleine Dinge Qualität ausmachen, sagte Staatminister Jürgen Banzer. Dem trage das EKHN-Signet mit dem Wort „Qualitätsfacetten“ Rechnung. „Wir müssen in den Kindertagesstätten aufpassen und nicht die gleichen Fehler wie in der Schule machen“, sagte er. Die quantitative Orientierung an Zahlen berge Risiken. „Wir dürfen nicht nur Ökonomie und Platzzahlen im Auge haben“, so Banzer. „Wir wollen in Hessen auch nicht, dass aus Kindergarten Schule wird.“ Die tägliche Arbeit von Erzieherinnen könne gar nicht genug Wertschätzung bekommen, betonte er und lobte die freien Träger. Sie könnten mithelfen die großen gesellschaftlichen Probleme zu lösen und den Kindern gleiche Startchancen ermöglichen. Allerdings dürfe es nicht darum gehen, noch mehr auf die Schultern der Kitas zu legen. Qualität dürfe keine Hürde sein, sondern Motivation, mit Spaß und Freude seine Arbeit gut zu machen.

Waltraud Kirchmeier vom Verband Evangelischer Kindertagesstätten im Diakonischen Werk in Kurhessen-Waldeck bekannte sich klar zur Qualitätsentwicklung. „Sie ist unerlässlich“, sagte sie. Doch komme es dabei auf die „Maße des Menschlichen“ an. Im Mittelpunkt stehe die Orientierung am christlichen Menschenbild und dem Recht auf Bildung, verstanden als das Recht des Kindes auf Entfaltung seiner Begabungen. Doch bei allen Qualitätszusagen, die evangelische Kindertagesstätten machten, brauche es auch eine Strukturqualität. An kirchliche Träger und Politik gerichtet forderte sie bessere Rahmenbedingungen. „Wir brauchen in unseren Einrichtungen eine Strukturverbesserung“, sagte sie.

Xenia Roth, Fachreferentin für Kindertagesbetreuung im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz, beschrieb Qualitätsentwicklung als einen dialogischen Prozess, bei dem es auf eine diskursive Grundhaltung ankomme. „Dies ist für die Qualitätsentwicklung maßgeblich“, erklärte sie. Qualität frage, was kann ich möglich machen und sei kooperativ in Beziehungen und Spannungsfeldern zu gestalten. Sie brauche aber auch Standards, die verlässlich sind. Erika Beckmann, Leiterin der Evangelischen Kindertagesstätte Zwingenberg, stellte aus ihrer Einrichtung das Qualitätsprojekt Bildung vor.

Drei Herausforderungen seien dabei besonders in den Blick gekommen: Die Stärkung der Elternpartnerschaft; die Unterstützung von benachteiligten Kindern sowie die Entwicklung von Konzeptionen die mitwachsen. Entscheidend für die Bildung sei auch die Haltung als Fachkraft. „Habe ich Spaß Dinge zu erforschen und neu kennen zu lernen, dann überträgt sich das auch auf die Kinder“. Nur so könne es gelingen das Feuer der Bildung immer wieder neu zu entfachen, resümierte sie. Der Qualitätsstandard Bildung erfordere neben einer guten Personal- auch eine gute Materialausstattung. Eine Digitalkamera bis hin zu einem Computer mit Farbdrucker pro Gruppe sei kein Luxus sondern Notwendigkeit.

Dr. Marcel Schilling, Kirchenvorsteher der Luthergemeinde beschrieb die Entwicklung eines gemeinsamen Leitbildes der 13 evangelischen Kindertagesstätten im Dekanat Mainz und den Aufbau eines gemeinsamen Web-Portals. Innerhalb eines Jahres einigten sich Leiterinnen und Träger auf gemeinsame Kernaussagen zum Selbstverständnis und Evangelischen Profil. Aus den Regionalverwaltungen wurden die Projekte Beschwerdemanagement und Leitbildentwicklung präsentiert. „Aus Beschwerden können Ideen werden, die alle weiterbringen“, sagte Werner Termin von der Regionalverwaltung Wiesbaden-Rheingau-Taunus. Er informierte über den Ablauf des Projektes Beschwerdemanagement. Ziel sei es, die Servicequalität zu steigern und die Zufriedenheit der Kunden und der Mitarbeitenden zu erhöhen. Mit möglichst geringen Durchlaufzeiten von Beschwerden sollte Verbindlichkeit geschaffen werden. Als Erfassungsinstrument für Beschwerden diene ein Servicebogen.

„Qualitätsorientierte Kunden können qualitätsorientierte Dienstleistungen erwarten.“ Diese Auffassung vertrat Helmut Fetzer, der für die Regionalverwaltung Rheinhessen das Projekt Leitbildentwicklung vorstellte. Mit rund 50 Mitarbeitenden arbeite die Verwaltungsdienststelle für sechs Dekanate, 164 Kirchengemeinden, 67 Kindertagseinrichtungen und sieben Sozialstationen. Was die Kunden erwarten können und welche Leistungen sie bekommen ist in einem Faltprospekt kompakt dargestellt. Ein sichtbares Ergebnis des Qualitäts-Projektes. Mit der Verteilung der Handbücher zur Qualitätsentwicklung schloss die Veranstaltung ab. Ein magentarotes für die Kindertagesstätten und ein grünes für die Verwaltungen.

„Das Handbuch bündelt die konzeptionellen Grundlagen der Qualitätsentwicklung und die entwickelten Arbeitsmaterialien und Standards“, erklärte Roberta Donath, Fachberaterin für Qualitätsentwicklung. Der Ordner mit seiner Loseblattsammlung sei erweiterbar und werde laufend aktualisiert. „Qualitätsmanagement ist in der Evangelischen Kirche Pflicht aber es lebt vom freiwilligen Engagement und Einsatz“, betonte Martina Klein, Leiterin des Zentrums Bildung, in ihrem Schlusswort. Sie bedankte sich bei allen Anwesenden und den Organisatorinnen des Tages. „Höchste Anerkennung möchte ich ganz besonders allen Fachberaterinnen und Fachberatern für die Beratung und Begleitung der Qualitätsentwicklung und die Motivationsarbeit in den Kindertagesstätten ausdrücken“, sagte sie. Elke Heldmann-Kiesel

Bildunterzeile:
Kirchenpräsident Volker Jung informiert sich am Stand des Projektes „Kollegiale Entdeckungen“. Von links: Roberta Donath, Fachberaterin für Qualitätsentwicklung, Kirchenpräsident Dr. Volker Jung, Katja Wüst, Leiterin der Evangelischen Kindertagesstätte Lahnstein, Thea Schuhen, Leiterin der Evangelischen Kindertagesstätte Langenscheid.

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