WIESBADEN/RHEIN-LAHN. (15. Dezember) Die evangelische Kirche will sich nach den Worten des Propstes in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Dr. Sigurd Rink, für den Bau von Moscheen für muslimische Gemeinden einsetzen. Der demokratisch verfasste Staat stelle die Religionsfreiheit sicher, sagte der Vertreter der EKHN vor Journalisten. Das daraus abzuleitende Recht auf eigene Gotteshäuser mit eigener Gestaltung sei daher „nicht verhandelbar“. Er trete aber andererseits für den Bau christlicher Kirchen in muslimischen Ländern ein.
Wie der Bau einer Moschee sich gestalte, müsse in einem „Dialogprozess“ vor Ort bestimmt werden. Auch wenn zum Beispiel der Minarettbau, wie er in der Schweiz jüngst durch einen Volksentscheid abgelehnt wurde, nach Ansicht muslimischer Theologen „nicht konstitutiv“ für die Ausübung des Glaubens sei, dürften Minarette oder gar Moscheenbauten nicht grundsätzlich infrage gestellt werden. Die evangelische Kirche verstehe sich als «starke Fürsprecherin» für die Religionsfreiheit, betonte Rink.
Der Öffentlichkeitsbeauftragte für die Region Rhein-Lahn, Bernd-Christoph Matern, bestätigte positive Auswirkungen solcher Fürsprache und Begegnungen: In der Stadt Nassau hätten die christlichen Kirchen ein gutes Verhältnis zur türkisch-islamischen Gemeinde, die etwa 300 Mitglieder zähle, erreicht. Im Jahr 2004 wurde dort in einem ehemaligen Schulnebengebäude ein Moscheeraum feierlich eröffnet. „Christen und Muslime beten, reden, lernen, diskutieren und feiern miteinander – sowohl in den christlichen Kirchen und Gebäuden als auch im Gebetshaus der Muslime“, so Matern.
„Und sie gehen auch gemeinsam auf die Straße, wenn gegen Rechtsradikalismus demonstriert wird.“ Die Christen sparten dabei auch nicht die Kritik aus, dass es ihnen in muslimischen Ländern schwer gemacht werde, ihre Religion zu leben, „aber der Dialog an der Basis trägt zu einem respekt- und verständnisvollen Miteinander bei“.
Propst Rink äußerte sich im Rahmen seiner Jahrespressekonferenz auch zur Frage der Lärmbelastung, die durch den bevorstehenden Ausbau des Frankfurter Flughafens auf die Gemeinden der Region zukommt. Rink nannte es «bedauerlich», dass Lufthansa nun gerichtlich Nachtflüge ermöglichen lassen wolle, obwohl das Unternehmen zu den Unterzeichnern des so genannten „Mediationspaketes“ gehöre. Dieses sieht vor, dass ein Ausbau unter anderem an ein Nachtflugverbot gekoppelt sein müsse.
Die Synode der hessen-nassauischen Kirche habe in dieser Frage eindeutig Position bezogen. „Wir stehen zum Mediationspaket in seiner ursprünglichen Form“, sagte Rink.
Zur Situation in Süd-Nassau teilte der Propst mit, dass der Rückgang der Mitgliederzahlen dort wie in der gesamten EKHN weiter bei einem halben bis einem Prozent im Jahr liege. Dafür verantwortlich sei einerseits der Überhang von Bestattungen gegenüber Taufen und Neuaufnahmen. Andererseits gebe es mehr Austritte als Eintritte. Jene seien im abgelaufenen Jahr besonders hoch gewesen. 2008 waren in Süd-Nassau 2.851 Menschen ausgetreten, fast 700 mehr als ein Jahr zuvor.
Es gibt in der Propstei aber auch Regionen, die sich stabil zeigen: Im Dekanat Bad Schwalbach, beispielsweise, haben die Austritte nicht weiter zugenommen, sagte der Öffentlichkeitsverantwortliche Christian Weise. 85 Prozent der Austretenden hätten in Zeiten der Wirtschaftskrise für ihre Entscheidung angeführt, dass sie die Ausgaben für die Kirchensteuer sparen wollten. Nach wie vor betrage jedoch der Anteil der Evangelischen im Kirchengebiet rund 36 Prozent.
Mit einer ebenso hohen Quote an Katholiken gehörten daher immer noch 72 Prozent der Menschen in der Region einer der großen christlichen Kirchen an. Positiv ist eine leichte Zunahme bei den Kindertaufen. Der Gottesdienstbesuch am Heiligen Abend steigt seit Jahren an. (epd/rt) Foto: Wandgemälde in der evangelischen Johanniskirche Nassau.
