NASSAU/RHEIN-LAHN. (23. März 2016) Genau 652 Lieder füllen das evangelisches Gesangbuch, noch wesentlich mehr stehen im katholischen Pendant, dem Gotteslob. Viele der dort abgedruckten Noten fristen ein „ungesungenes Dasein“. Damit sich das ändert, hat die Ökumene im Nassauer Land die Reihe „Komm her und sing mit!“ ins Leben gerufen. Im katholischen Pfarrheim Nassau förderte Kirchenmusiker Joachim Raabe einige weniger bekannte Noten- und Text-Schätze mit den Besuchern klingend zutage.
Der Vollblutmusiker aus Haiger stimmte ein Dutzend eher selten gesungener Lieder aus dem Gotteslob
an, an denen die singfreudige Schar hörbar Gefallen fand. Mit Raabe war nicht nur ein versierter katholischer Kantor in Nassau zu Gast, sondern auch ein Komponist, der selbst mit einigen Vertonungen von Glaubenstexten im Gotteslob vertreten ist, wie etwa dem „Ich glaube dir, du Freund des Lebens“ von Helmut Schlegel. Da offenbarte sich der Freund des Neuen Geistlichen Liedes (NGL), für das sich Raabe auch mit anderen renommierten Textern und Komponisten aus Deutschland in der ökumenischen Vereinigung „inTAKT“ engagiert.
Eine der schönsten Entdeckungen des Nachmittags: Die Nummer 456 „Herr, du bist mein Leben“. Manch schöner Text bleibe manchmal ungesungen, nur weil die Melodie etwas schwieriger sei, erklärte Raabe. Da helfe das langsame Herantasten, wie er es am Morgenlied 82 „Behutsam leise“ demonstrierte. So könne beispielsweise die Gemeinde den eingängigen Refrain übernehmen, während Solist oder Chor die rhythmisch anspruchsvolleren Strophen singt. „Und später klappen die auch mit der Gemeinde.“
Sogar sowohl unter den evangelischen als auch katholischen Besuchern des offenen Singens noch vollkommen unbekannte Lieder pickte Raabe aus dem Stammteil und dem Limburger Diözesanteil des Gotteslobes heraus. Nebenbei ließ er Wissenswertes über die Entstehung der Lieder anklingen, und gab praktische Tipps zum Einstudieren und zur Begleitliteratur. Eine, wenn auch mit unterschiedlichen Texten, sowohl im evangelischen wie im katholischen Gesangbuch abgedruckte Melodie aus England zum Abend beendete die sangesfreudige Begegnung.
Pfarrerin Silke Funk aus Dienethal dankte Raabe für seine inspirierenden Hinweise, die einmal mehr Mut gemacht hätten, auch neue Lieder im Gottesdienst auszuprobieren. Zusammen mit dem katholischen Pastoralreferenten Michael Staude hatte sie die ökumenische Reihe initiiert, damit in den Kirchen des Nassauer Landes an Sonn- und Feiertagen nicht immer dieselben Weisen erklingen. „Wir sind als evangelische und katholische Christen ja auf gleichen Wegen unterwegs, musikalisch sowieso“, so die Theologin.
Das nächste ökumenische offene Singen unter dem Motto „Komm her und sing mit!“ ist am Sonntag, 22. Mai um 17 Uhr in der evangelischen Kirche in Singhofen. Bernd-Christoph Matern
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Joachim Raabe entlockte bei einem offenen Singen in Nassau dem Gotteslob einige schön klingende „Geheimnisse“. Fotos: Matern
Mehr Informationen zur Projektreihe "Komm her und sing mit!" sowie über die Auftaktveranstaltung finden Sie hier .
