Wolfgang Gern verabschiedet: Ein Kämpfer für das Soziale

thumb_1gernab140416_diakoniehessenWIESBADEN/RHEIN-LAHN. (18. April 2016) „Die Stärke unserer Gesellschaft misst sich auch am Wohl derer, die in Not sind und die aus Not zu uns flüchten.“ Dies sagte Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, am Donnerstagnachmittag im Gottesdienst in Wiesbaden anlässlich seiner Verabschiedung in den Ruhestand. Zu den 500 Besuchern gehörten auch Vertreter aus dem Rhein-Lahn-Kreis, die Gern für sein unermüdliches Engagement für die Schwachen in der Gesellschaft dankten. Im Gottesdienst wurde Pfarrer Horst Rühl als Gerns Nachfolger eingeführt.

thumb_1a-gernab140416-viele_becrima-Seit dem Jahr 2000 war Gern Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau, das 2013 zur Diakonie Hessen fusionierte. „Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig. Das ist das biblische Herzstück“, sagte Gern in seiner Abschiedspredigt in der Wiesbadener Marktkirche. Es sei das Verdienst der Mütter und Väter des Grundgesetzes, dieses biblische Herzstück aufgenommen zu haben. „Für uns als Christen in Diakonie und Kirche heißt das nichts anderes als: Gott will, dass wir Verantwortung füreinander übernehmen.“ Dafür habe er immer einstehen wollen.

Als „Theologen der Hoffnung“ bezeichnete der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) Gern und dankte ihm für dessen Leidenschaft und Kompetenz und vielfältigen Dienste als Pfarrer der Landeskirche. Gerns Kernsatz „Diakonie ohne Kirche wird geistlos, Kirche ohne Diakonie wird lieblos“ habe Maßstäbe gesetzt. Persönlich freue er sich, dass aus einer thumb_1a-gernab140416-segen2_diakhessenKonkurrenzsituation – Beide kandidierten 2008 ums Amt des EKHN-Kirchenpräsidenten – eine Freundschaft geworden sei. „Wenn es um die Not der Menschen geht, wirst Du bestimmt kein stummer Hund werden!“, sagte Jung. Dann segnete der Kirchenpräsident Gern für seinen Ruhestand unter anderem zusammen mit dem Vorsitzenden der Mitgliederversammlung der Diakonie Hessen Staatsminister a. D. Karl Peter Bruch.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer sagte: „Als ein Mensch mit christlicher Überzeugung hat Dr. Wolfgang Gern die Ungerechtigkeit, die sich aus Armut und Ungleichheit ergibt, nicht akzeptiert“. Vielmehr habe er sich auch als Sprecher der Nationalen Armutskonferenz mit außergewöhnlichem Engagement für die benachteiligten Menschen im Land eingesetzt. Ihr hessischer Amtskollege Volker Bouffier nannte Gern einen „Streiter und Kämpfer für das Soziale in Kirche und Politik“ und überreichte ihm den Verdienstorden des Landes Hessen. Gern will sich in seinem Ruhestand der Entwicklungshilfe im rheinland-pfälzischen Partnerland Ruanda widmen. Der 1951 in Berlin geborene Theologe arbeitete schon in seiner Studienzeit während des Vietnamkrieges als Flüchtlingshelfer in Laos und Kambodscha.

Gerns Nachfolger Pfarrer Horst Rühl, den der Bischof der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck Dr. Martin Hein eingeführt hatte, bezeichnete manchen Wahlzettel der jüngsten Landtagswahlen als „Hilferuf“. Rühl: „Menschen finden sich in ihrer Not abgedrängt, ausgegrenzt und gefährdet.“

Zu den Gästen von Verabschiedung und Einführung zählte auch Landrat Frank Puchtler, der den neuen Vorstandsvorsitzenden zu einem Besuch im Rhein-Lahn-Kreis einlud. „Unser Kreis hat nicht nur mit der Stiftung Scheuern den größten Arbeitgeber“, er sei auch reich an Menschen, die diakonisch handeln wie in Tafeln, Kleiderkammern oder auch der vielfältigen Unterstützung zur Integration von Flüchtlingen.

Zum Foto (links oben):
Der Bischof der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck Dr. Martin Hein (links) und der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Dr. Volker Jung (rechts) verabschiedeten Dr. Wolfgang Gern (2. von links) als Vorstandsvorsitzenden der Diakonie Hessen und führten dessen Nachfolger Pfarrer Horst Rühl als Nachfolger ein. Fotos: Hans Genthe/Bernd-Christoph Matern

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