FRANKFURT/RHEIN-LAHN. (7. Dezember 2015) 9200 Menschen kommen wöchentlich zu den Ausgabestellen der Tafeln in der Diakonie Hessen. Mehr als 2000 Ehrenamtliche unterstützen die Tafelarbeit in dem Verband. Auch im Rhein-Lahn-Kreis betreibt das Diakonische Werk drei Tafeln in Bad Ems, Diez und Nastätten. Diakoniechef Dr. Wolfgang Gern warnte jetzt, dass die Kapazitätsgrenzen der Tafeln erschöpft seien.
Anlässlich des Deutschen Tafeltages sagte Gern, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, zu der auch weite Teile von Rheinland-Pfalz gehören: „Das Verdienst der zahlreichen tatkräftigen, ehrenamtlichen Kräfte ist nicht hoch genug einzuschätzen.“ Auch ohne die Lebensmittelspenden verschiedener Firmen sei die Arbeit gar nicht mehr leistbar. Die Tafeln stoßen laut Gern jedoch an ihre Grenzen. Die Nachfrage übersteige bei weitem das Angebot. „Die Situation der Tafeln ist angespannt. Die Kapazitäten sind erschöpft: bei den Ehrenamtlichen, aber auch an Waren, an Fahrzeugen und an Räumlichkeiten“, so Gern.
Die Tafelarbeit zeige die Missstände in der Gesellschaft auf. „Der wachsenden Not der Menschen können wir nicht nur mit ehrenamtlichem Engagement und Spenden begegnen.“ Die Tafeln könnten die Armut nicht beseitigen, sondern die Notlage nur kurzfristig lindern. Gern sagt weiter: „Wir fordern daher die Bundesregierung dazu auf, die Unterversorgung der Menschen durch gesetzlich garantierte Sozialleistungen abzulösen. Auch wenn die Tafeln ein hoffnungsvolles Zeichen dafür sind, dass sich Menschen hellwach für die Not anderer einsetzen, müssen wir daran erinnern, dass Demokratie und sozialer Ausgleich zusammengehören.“
Mehr als 16 Prozent der Deutschen sind armutsgefährdet und verfügen über weniger als 979 Euro im Monat. Diakonie-Chef Gern: „Mittlerweile nutzen viele das Angebot der Tafeln nicht nur in kurzfristigen Notlagen sondern regelmäßig. Die Tafeln können den großen Bedarf nicht mehr durch Spenden und ehrenamtliches Engagement abdecken.“ Aufgrund der hohen Nachfrage gehen manche Tafeln bereits dazu über, die Nutzung des Tafelangebots auf ein Jahr zu befristen oder weniger Waren an alle auszugeben. Neue Interessenten würden mancherorts gar auf Wartelisten gesetzt. Der Staat könne mit dem Angebot der Tafeln nicht aus seiner Verantwortung entlassen werden. Gern: „Wenn wir uns selbst ernst nehmen, dann darf es nicht sein, dass Menschen in unserem reichen Land hungern müssen.“
Die Tafeln der Diakonie
Qualitativ einwandfreie Nahrungsmittel, die im Wirtschaftskreislauf nicht mehr verwertet werden können, werden von den Tafeln gesammelt und kostenlos oder gegen einen geringen Betrag an Bedürftige abgegeben. Die Finanzierung erfolgt weitgehend über Spenden; Organisation und Verteilung übernehmen zum großen Teil ehrenamtlich engagierte Helfende. Mehr als 2000 Ehrenamtliche unterstützen die Tafelarbeit in Trägerschaft der Diakonie Hessen oder ihrer Mitwirkung. Sie sammeln ein, sortieren, telefonieren, säubern, organisieren – und helfen anderen Menschen in Not. Die Diakonie Hessen betreibt im Raum Hessen, Teilen von Rheinland-Pfalz und Thüringen 30 Tafeln mit 45 Ausgabestellen.
Jede Woche nehmen 9200 Menschen bzw. 3900 Haushalte in diesem Gebiet das Angebot der Tafeln der Diakonie Hessen in Anspruch. Anliegen der Tafeln in Trägerschaft der Diakonie Hessen ist es, die Menschen nicht nur mit Lebensmitteln zu versorgen: Die Tafeln beraten hilfesuchende Menschen auch bei Krisen, Suchtproblemen oder Schulden und vermitteln sie an spezialisierte Beratungseinrichtungen von Kirche und Diakonie.
