Geld regiert statt Gott die Welt

Pfarrer Matthias Metzmacher: Ungerechte Verteilung ein Skandal, Tafeln im Kreis ein Armutszeugnis

 thumb_dausenaugeld2DAUSENAU/RHEIN-LAHN.  „Über Geld spricht man nicht? Wir schon!“ So war der erste Winterabend im Jahr 2007 überschrieben, zu dem die evangelische Kirchengemeinde Dausenau ins Gemeindehaus eingeladen hatte. Matthias Metzmacher, Referent für gesellschaftliche Verantwortung der evangelischen Kirche im Rhein-Lahn-Kreis, prangerte dabei die ungerechte Verteilung des Vermögens an. "Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer", so der Pfarrer. Dass im Rhein-Lahn-Kreis in Nastätten nach Diez bereits die zweite Tafel für Bedürftige eröffnet werden soll, sei ein Armutszeugnis. Ursache für die schiefe Verteilung des Vermögens, von dem es in Deutschland nie mehr gegeben habe, seien unter anderem Steuerpolitik und Profitmaximierung der Unternehmen. 

Erster Winterabend in 2007 in Dausenau. Das Thema Geld stand zur Debatte. Gerd Schäfer und Matthias Metzmacher referierten. Sie näherten sich dem Thema auf ganz unterschiedliche Weise und Andreas Pahl sorgte mit seiner perfekten Kunst am Akkordeon für musikalische Denk- und Unterhaltungspausen.

Wie Geld entstanden ist, daran erinnerte Gerd Schäfer mit einem kurzen Blick auf die Entwicklung von der tauschenden zur produzierenden Wirtschaft. Zahlungsmittel von Römern, Juden und Griechen stellte Schäfer vor und projizierte unter dem Motto „Geld und die Bibel“ Denars, Goldstater, Schekel und Talente an die Wand. Interessant seine aufmerksame Lektüre der Lutherbibel in Bezug auf den Mammon: 163 wird da von Geld geschrieben, 435 mal von Gold, 311 mal von Silber und 102 mal von Kupfer. Die bekannteste biblische Erwähnung von Geld dürften die 30 Silberlinge sein, für die Judas Jesus verraten hat. Aber auch im Zusammenhang von Opfern, Steuern, Strafen und Vermögen werden in der Bibel Geldbeträge genannt.

 Die Währungsbegriffe, die in der Lutherübersetzung auftauchen, unterscheiden sich je nach dem Druckzeitpunkt. So wird in älteren Übersetzungen noch von „Bündlein“ geschrieben, mit denen die Urväter ihr Getreide kauften, in jüngeren von „Beuteln“. Aber auch ein regionales Beispiel für biblische Darstellungen auf Zahlungsmitteln präsentierte Schäfer am Ende des Vortrags: ein Notgeld-Schein von 1921 der Gemeinde Kamp-Bornhofen mit dem gekreuzigten Jesus.

Wie Geld und dessen ungerechte Verteilung heute Leben und Schicksale bestimmt, stellte Matthias Metzmacher in den Mittelpunkt seines Vortrags. Mit Statistiken zeigte der Referent für gesellschaftliche Verantwortung der evangelischen Kirche im Rhein-Lahn-Kreis, wie sich die Schere zwischen arm und reich immer weiter öffnet. „Dabei waren die privaten Haushalte in Deutschland noch nie so vermögend wie heute. Das ist ein Skandal!“, prangerte der Pfarrer die Entwicklung an, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden.

 Auch politische Entscheidungen in der Steuerpolitik seien die Ursache dafür, wie Metzmacher mit Rechenbeispielen für die Senkung des Spitzensteuersatzes deutlich machte. „Dass im Rhein-Lahn-Kreis nach Diez in Nastätten bereits die zweite Tafel für Bedürftige eröffnet wird, ist ein Armutszeugnis“, so Metzmacher weiter. Der Referent schilderte die Probleme von Hartz-IV-Empfängern, die unverschuldet ihren Arbeitsplatz verloren haben. Die Profitmaximierung der Unternehmen zugunsten der Aktionäre sei eine Ursache für die schiefe Verteilung. „Das Kapital regiert“, so Metzmacher. Welche Folgen das hat, davon sei Dausenau mit dem Moeller-Werk besonders betroffen. „Obwohl schwarze Zahlen geschrieben werden und die Menschen Zusatzarbeit am Wochenende leisten, wird dort über die Schließung eines Werkes nachgedacht.“

Auch einen Blick in die Bibel zum Thema warf der Referent. Dort werde zur Solidarität mit Schwachen aufgerufen. Auch sei die Bibel dem Reichtum nicht abgeneigt, aber er werde daran gemessen, was er zum Wohle aller Menschen beiträgt. „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott“, so Metzmacher und das sei heute mehr denn je das Geld und nicht die Bibel. „Es sei denn, es wird jemand krank, dann ist Gesundheit auf einmal wichtiger.“

 In der anschließenden Diskussion wurde mit den Besuchern über Lösungsmöglichkeiten nachgedacht. Kaufverhalten der Verbraucher, Lohn-Forderungen von Gewerkschaften, Beeinflussung durch Werbung, Suche nach Schnäppchen – ein Rezept wurde nicht gefunden, wohl aber die Erkenntnis, dass der Umgang mit Geld zu wichtig ist, um nicht darüber zu reden. (bcm)

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Kommentare sind geschlossen.