Orgelsachverst?ndiger stellte Buxtehude vor

thumb_1orgelmusik211007BAD EMS. Im Rahmen der Reihe „Orgelmusik im Gespräch“ war am Wochenende der Konzertorganist und Kirchenmusiker Thomas Wilhelm (Bad Vilbel) in der Bad Emser Kaiser-Wilhelm-Kirche zu Gast. Wilhelm, auch als Orgelsachverständiger der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) tätig, stellte anlässlich des 300. Todesjahres den norddeutschen Orgelmeister Dietrich Buxtehude und sein Werk vor.

Mit einem Präambulum von Heinrich Scheidemann, einem Mitbegründer der Norddeutschen Orgelschule, stellte Wilhelm die typische „Einheitlichkeit“ dieser Stilrichtung vor, auf der auch Buxtehudes Schaffen zum Teil basiert. Weitere Einflüsse auf dessen Kompositionen hatte etwa der Italiener Girolamo Frescobaldi – einer der einflussreichsten Komponisten für Tasteninstrumente seiner Zeit. Sehr verspielt und virtuos nutzten Frescobaldis Kompositionen die technischen und akustischen Möglichkeiten der großen Orgeln – etwa des Petersdoms in Rom.

Mit zwei Beispielen stellte Thomas Wilhelm diese ganz andere Stilrichtung den Zuhörern vor. Anhand eines Vorspiels verdeutlichte Thomas Wilhelm eindrücklich Buxtehudes Verarbeitung beider Stile. Zu dessen Zeit standen auch in Norddeutschland zahlreiche der größten Orgeln ihrer Zeit und boten somit eine gute Basis für virtuose Orgelmusik. Entsprechend nutzte Buxtehude etwa für die Komposition seiner Choralsfantasien diese Vielfältigkeit der Instrumente aus. Als Beispiel musizierte Thomas Wilhelm Buxtehudes „Gelobet seist Du, Jesu Christ“. Hier schmückt Buxtehude die einzelnen Choralzeilen im Stile der großen Motetten aus.

Neben der musikalischen Textausdeutung durch Wahl der Tonart, Registrierung oder Tempi erläuterte Wilhelm auch die Verarbeitung von Zahlensymbolik oder etwa die Handstellung beim Orgelspiel als Deutung des Herabkommens Gottes auf die Erde. Fast pünktlich zur Vesper-Zeit beschloss Thomas Wilhelm seinen Vortrag mit dem „Magnificat“ – dem Lobgesang der Maria. Nach den vorherigen Ausführungen konnten die Zuhörer jede einzelne Textzeile in ihrer musikalischen Gestaltung nachvollziehen – auch ohne weitere ausführliche Erläuterungen des Organisten. Herzlicher Applaus belohnte die anschaulichen Erläuterungen und den musikalischen Vortrag der anspruchsvollen Werke. (Stefan Hauser)

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