RHEIN-LAHN. „Mit unserer Beteiligung zeigen wir christliche Zivilcourage, die aus der Vergangenheit gelernt hat und sich entschieden für Menschenrechte und Werte einsetzt.“ Mit diesen Worten ruft Matthias Metzmacher, Pfarrer für gesellschaftliche Verantwortung der evangelischen Kirche Rhein-Lahn zur Teilnahme an den Kundgebungen der „Allianz der Vernunft“ am Samstag in Nassau und Nastätten auf. „Wir sind aufgerufen, rechtsradikalen Parolen und Menschen verachtenden Sprüchen mutig entgegenzutreten“, so der Theologe.
Die Kundgebungen seien aber auch Anlass, immer wieder selbstkritisch nachzufragen, „wo wir selbst Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens oder ihrer sozialen Verhältnisse ausgrenzen“, so Metzmacher. Christen seien der Botschaft von Menschenwertschätzung, Gewaltverzicht und Versöhnung, wie sie Jesus Christus vorgelebt habe, bis heute verpflichtet. „Nächstenliebe statt Fremdenhass, Respekt statt Diskriminierung, Wahrhaftigkeit statt intolerantem Schwarz-Weiß-Denken sind die Maxime unserer christlichen Überzeugung“, so Metzmacher.
Auch die Vorsitzende der Dekanatssynode St. Goarshausen, Anja Gemmer, hat in einem Schreiben an alle Synodalen des Dekanates dazu aufgerufen, sich an der Demonstration der „Allianz der Vernunft“ zu beteiligen. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit seien eine Bedrohung für jede demokratische Gesellschaft. „Wo dieses Gedankengut einsickert, stehen Freiheit, Menschlichkeit und Toleranz auf dem Spiel“, schreibt Gemmer. Massiv würden auch Menschen aus dem Rhein-Lahn-Kreis im Internet angefeindet, weil sie sich deutlich gegen rechtsradikale Parolen aussprechen.
Die Christen in der Region seien gefragt, wenn es darum geht, sich solidarisch hinter die Menschen zu stellen, die von rechtem Gedankengut angefeindet werden und trotzdem immer wieder Zivilcourage entwickeln und gegen „Rechts" die Stimme erheben. „Gemeinsam wollen wir so deutlich machen, dass wir nicht wegsehen, wenn Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer Lebensweise oder ihrer Hautfarbe diskriminiert werden“, so Gemmer.
Pfarrer Friedrich Kappesser, Dekan des Dekanates Nassau, erinnert an Dietrich Bonhoeffer, der seinen Widerstand gegen die Diktatur der Nationalsozialisten mit dem Leben bezahlt hat. „Wir können uns glücklich schätzen, dass es heutzutage nicht lebensbedrohlich ist, für Demokratie und Menschenrechte zu demonstrieren.“ Deshalb sollten möglichst viele Christen diese Freiheit nutzen und damit im Sinne von Dietrich Bonhoeffer „dem Rad in die Speichen fassen“, bevor es die Menschen erneut mit Hass, Gewalt und Menschenverachtung überrollt. Das gelte gerade in der Stadt Nassau mit einer der größten diakonischen Behinderteneinrichtungen des Landes. „Menschenverachtendem Gedankengut muss dort entschieden entgegengetreten werden.“ (bcm)
Die Allianz der Vernunft trifft sich um 12 Uhr auf dem Amtsplatz in Nassau und um 14 Uhr auf dem Adolfsplatz in Nastätten.
