L?uten Kirchenglocken nur f?r Erwachsene?

Synode des Dekanats Nassau lieferte Denkanstöße für Kindergottesdienst

 thumb_1birgitmuellerRHEIN-LAHN/NASSAU. (11.November) Warum werden Kinder beim Gottesdienst aus der Kirche verbannt? Warum kümmern sich nicht mehr Hauptamtliche um den christlichen Nachwuchs? Rufen die Glocken nur Erwachsene zum Gottesdienst? Fragen, die während der Herbsttagung der Synode des evangelischen Dekanats Nassau im Haus Beielstein in Nassau auf der Tagesordnung standen. Den Kindergottesdienst aus seinem Schattendasein zu führen und wahrzunehmen, welch enormer ehrenamtlicher Einsatz damit verbunden ist, habe den Synodalvorstand bewogen, das Thema in der Synode aufzugreifen, erklärte Dekan Friedrich Kappesser.

„Es gibt eine Gemeinde, da wird am Anfang des Gottesdienstes gezählt, ob mehr Kinder oder Erwachsene da sind“, nannte Birgit Müller ein praktisches Beispiel. „Wer in der Mehrheit ist, entscheidet, wer ins Gemeindehaus umziehen muss.“ Die Kindergottesdienst-Beauftragte der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) regte nicht nur mit diesem außergewöhnlichen Beispiel die Synodalen an, den Bedürfnissen des christlichen Nachwuchses in den Kirchengemeinden mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Müller begann ihren Vortrag mit einer Bestandsaufnahme.

Dass im Dekanat weniger als die Hälfte der Kirchengemeinden einen Kindergottesdienst anbieten, sei schon bemerkenswert, so Müller. Meistens seien es Frauen, aus denen die Teams bestehen. Das spiegle sich auch im Interesse der Kinder wieder. „Die Jungs sind da in der Minderheit.“ Während die Betreuer immer älter würden – vornehmlich Mütter mit Kindern im Kigo-Alter – würden die Besucher des Angebotes immer jünger, seien teilweise im Krabbelalter, eine Alters-Mischung, die von den in der Mehrheit ehrenamtlichen Teams sehr viel abverlange. Spirituelle Erfahrungen im Kindesalter wirkten bei den späteren Erwachsenen, so Müller. „Kirche hat mir da etwas geboten“, könnten sie sich erinnern.

 Ein Patentrezept für Häufigkeit und Gestaltung der Kindergottesdienste gebe es nicht. Ihre Devise: „Nach Möglichkeit sonntags so regelmäßig und oft wie möglich.“ Etwa zehn Prozent der Kinder einer Gemeinde könnten innerhalb eines Monats im Durchschnitt erreicht werden. Bemerkenswert sei, dass sich Hauptamtliche so selten an den Kindergottesdiensten oder ihrer Vorbereitung beteiligen. Dabei hebe die „Lebensordnung“ – das sind die Richtlinien der Kirchenvorstände für Amtshandlungen – ausdrücklich die besondere Verantwortung gegenüber Kindern hervor. Von der aufgeschlossenen Bibelarbeit profitiere auch sie als Pfarrerin immer wieder, so Müller.

Die Trennung zwischen der Verkündigung für Erwachsene und Kinder, die es etwa in der orthodoxen Kirche so gar nicht gebe, könne Anlass sein, grundsätzlich über die Gottesdienst-Praxis nachzudenken, erklärte Dekan Friedrich Kappesser. „Vielleicht geht uns durch das Ausklammern der Kinder gerade etwas an der Fähigkeit, Gottesdienste zu feiern, verloren“, so der Dekan. Viele Kinder würden sich den eigenen Gottesdienst aber wünschen, weil es immer weniger Rituale und Orte gebe, in denen sie unter sich zur Ruhe kommen können, antwortete Birgit Müller. „Aber dabei müssen wir sie ernst nehmen und nicht nur als Spielgruppe behandeln.“ Dekanatsweite Fortbildungen für die Teams sowie die Unterstützung mit Arbeitsmaterial wünschten sich die als Synoden-Gäste eingeladenen Kindergottesdienst-Mitarbeiterinnen. (bcm)

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